
Bayern-Highlights · Oberfranken
Bamberg: Ein Tag in Bayerns Klein-Venedig
Persönlich besucht von Martin · 6. April 2022
Fachwerkgassen, Häuser direkt am Wasser und mein erstes Rauchbier überhaupt
Bamberg stand schon länger auf meiner Liste. Altstadt-Weltkulturerbe, ein Dom, mittendurch ein Fluss. Auf den Zug gebracht hat mich am Ende eine einfache Erkenntnis: Ich brauche dafür kein Auto, nicht einmal einen festen Plan. Nur das Regionalticket und ein Umstieg in Nürnberg.
Anreise und der Start
Von München gibt es einen direkten ICE, mit dem du Bamberg in unter zwei Stunden erreichst. Der ist aber weder im Bayern-Ticket noch im Deutschland-Ticket enthalten, und die Preise schwanken stark je nach Buchungszeitpunkt. Die günstige Variante bin ich gefahren: ein Regional-Express von München nach Nürnberg auf der Schnellfahrstrecke (etwa 1 Std. 45, ungefähr alle zwei Stunden), dann ein kurzer Umstieg in einen Regionalzug nach Bamberg (noch mal rund 40 Minuten). Insgesamt kommst du damit auf knapp drei Stunden pro Strecke, mit der Rückfahrt also ein voller, langer Tagesausflug, kein lockerer halber Tag. Ich würde 7–8 Stunden in Bamberg selbst einplanen, wenn du dich auch mal irgendwo hinsetzen willst statt nur die Sehenswürdigkeiten abzuhaken.
Vom Bahnhof aus sind es etwa 20–25 Minuten zu Fuß in die Altstadt, flach und einfach, oder du nimmst direkt vor dem Bahnhof den Stadtbus, wenn du dir die Beine für später sparen willst.
Hakis Tipp: Wenn du an einem Werktag fährst, denk daran: Das Bayern-Ticket gilt erst ab 9 Uhr, am Wochenende schon ab Mitternacht. Ich bin früh losgefahren, und an einem Werktag hätte das bedeutet, für die erste Etappe ein normales Ticket zu kaufen oder gleich auf das Deutschland-Ticket umzusteigen, das diese morgendliche Einschränkung nicht hat.
Hinein in die Altstadt
Erst mal eine ganz gewöhnliche Kopfsteinpflastergasse. Fachwerkhäuser, die sich leicht aneinanderlehnen, irgendwo über den Dächern ein Turm. Eines der ersten Dinge, die ich gemacht habe: ein Abstecher in die Obere Pfarre, Bambergs Kirche Unsere Liebe Frau. Ihr Turm mit der goldenen Madonnenstatue ist von fast überall in der Altstadt zu sehen. Innen öffnet sich ein helles, fast theatralisches Rokoko-Kirchenschiff: weiß-goldener Stuck, bemalte Deckenmedaillons, ein Altar, der förmlich vor Gold trieft. Eine Seitenkapelle war bei meinem Besuch mit Schutznetzen eingehüllt, das hat der Wirkung aber keinen Abbruch getan.
Von dort ist es nur ein kurzer Weg hinauf zum Domplatz, wo die Kathedrale (der Bamberger Dom mit seinen vier markanten Türmen) direkt neben der Alten Hofhaltung mit ihrem Fachwerkhof steht. Einer der Türme stand bei meinem Besuch leider im Gerüst, wird also auch nach tausend Jahren noch weitergebaut.

Der Rosengarten und der Ausblick, der den Umweg wert ist
Hinter der Neuen Residenz, der jüngeren der beiden Bamberger Fürstbischofsresidenzen, liegt ein Rosengarten, der nichts kostet, auch wenn die Residenz selbst rund 7 € Eintritt verlangt (ich war selbst nicht drin, weil dort gerade eine kleine Renovierung lief). Anfang April bedeutete das kahle Rosenstöcke und gestutzte Buchshecken statt Blüten. Die Terrasse am anderen Ende macht das aber wett: darunter öffnet sich die ganze Altstadt, ein Meer roter Ziegeldächer mit dem Dom im Rücken.
Danach bin ich in den Dom selbst gegangen: ins Kirchenschiff, zu einem der historischen Gräber und in die von Kerzen beleuchtete Krypta, die auf rund 1200 zurückgeht und den ältesten erhaltenen Teil des heutigen Baus bildet. Der Dom beherbergt außerdem das Grab von Papst Clemens II., dem einzigen nördlich der Alpen bestatteten Papst, sein Grab liegt allerdings im westlichen Chor und nicht in der Krypta. Dort liegen stattdessen andere historische Grabstätten, dazu ein Reliquienschrein mit einer Inschrift aus Psalm 149. Wem genau er gehört, konnte ich nicht herausfinden, vermutlich also ein gemeinsamer Schrein für mehrere Heilige statt das Grab einer einzelnen Person.
Das Wasser
Vom Berg geht es überall wieder hinunter zur Regnitz, und genau hier verdient sich Bamberg seinen Spitznamen. Das Alte Rathaus steht tatsächlich auf einer Insel mitten im Fluss. Erreichbar ist es nur über zwei Brücken, und an der Fassade hängen bis heute verblasste Fresken.

Ein paar Minuten flussabwärts liegt Klein-Venedig: eine Reihe ehemaliger Fischerhäuschen, die sich weit über das Wasser lehnen, Blumenkästen an den Fenstern, Boote darunter vertäut. Auf der Brücke dort bin ich länger stehen geblieben, als ich wollte. Der Blick die Häuserreihe entlang ist einer der schönsten in der Altstadt. Kurz danach lässt ein Wehr den Fluss in ein richtiges weißes Rauschen übergehen, das man hört, bevor man es sieht.
Hakis Tipp: Wenn du das Ganze lieber vom Wasser aus sehen willst statt von oben, hast du zwei Möglichkeiten. Die Personenschifffahrt Kropf bietet eine klassische Rundfahrt an: rund 80 Minuten hin und zurück ab der Anlegestelle "Am Kranen", vorbei an Klein-Venedig, dem Hafen und dem ERBA-Park, 14 € für Erwachsene und 7 € für Kinder. Oder die kleinere, romantischere Variante: Gondelfahrten vom Alten Kanal unter der Oberen Brücke, ab etwa 60 € für 30 Minuten und bis zu sechs Personen, lohnt sich also eher, wenn du nicht allein unterwegs bist. Gebucht habe ich keine der beiden, aber beide stehen auf meiner Liste fürs nächste Mal.
Auf dem Rückweg zum Grünen Markt bin ich noch in eine weitere Kirche abgebogen: St. Martin, Bambergs einzige durchgehend barocke Kirche, direkt am Marktplatz. Die Kuppel ist gar keine echte Kuppel. Sie ist eine flache Fläche, perspektivisch bemalt, damit sie wie eine aussieht. Über dem Altar hängt das Monogramm IHS, das Zeichen der Jesuiten, denn die Kirche wurde im 17. Jahrhundert von den Jesuiten erbaut.
Rauchbier: Bambergs berühmtes geräuchertes Bier
Bambergs zweites großes Markenzeichen ist sein Rauchbier. Bis ins 19. Jahrhundert hatte praktisch jedes Bier eine leichte Rauchnote, weil das Malz über offenem Holzfeuer getrocknet wurde. Mit saubereren Trocknungsmethoden verschwand dieser Geschmack aus dem deutschen Bier fast vollständig, außer in Bamberg. Dort sind zwei Brauereien, Schlenkerla und Spezial, bei der alten Methode geblieben, jede mit ihrem eigenen Verfahren, weshalb die beiden deutlich unterschiedlich schmecken.
Meines kam von Spezial: ihr Lager, 4,9 %, über einem Buchenholzfeuer in der eigenen Mälzerei der Brauerei geräuchert (seit 1898 in Familienhand, die Merz-Familie führt sie inzwischen in der vierten Generation). Es war mein allererstes Rauchbier überhaupt. Der erste Schluck hat mich überrascht. Ich musste ihm etwas Zeit geben. Aber wenn Rauchbier einfach nichts für dich ist, ist das auch völlig in Ordnung.

Auf dem Rückweg
Am Vormittag hat es mal geregnet, mal nicht, und am frühen Nachmittag klarte es auf. Nichts, wofür du mehr als eine leichte Regenjacke brauchst, also lass dich von einer grauen Vorhersage nicht abhalten. Auf dem Rückweg Richtung Nürnberg tauchte über einem Feld voller Solarpaneele draußen vor der Stadt ein Regenbogen auf, ein kleiner unerwarteter Bonus zum Abschluss des Tages. Der Zug zurück war voll, ich war offenbar nicht der Einzige, der sich diesen Tag für einen Ausflug nach Bamberg entschieden hatte.
Fotos von diesem Tag
Alle von mir beim Besuch aufgenommen. Einfach durchwischen.
Die Regnitz zieht sich mitten durch die Stadt, man überquert sie auf dem Weg hinein gleich mehrmals.
1 / 20Nützliche Links
- Deutsche Bahn Fahrplanauskunft — Verbindung planen
- Deutschland-Ticket — monatliches Flatrate-Ticket
- Bayern-Ticket — Tagesticket für Bayern
- Neue Residenz Bamberg — Öffnungszeiten & Eintritt
- Personenschifffahrt Kropf — Rundfahrt mit dem Schiff
- Gondelfahrten (Bamberger Gondoletta) — romantische Alternative mit der Gondel
- Bamberg Tourismus — offizielle Tourismusseite der Stadt
Nimm es mit
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Kurz & knapp
- Von München
- ca. 3 Std. mit der Bahn (Umstieg in Nürnberg)
- In die Altstadt
- ca. 20–25 Min. zu Fuß ab dem Bahnhof, oder mit dem Stadtbus
- Ticket
- Bayern-Ticket (werktags ab 9 Uhr) oder Deutschland-Ticket
- Beste Jahreszeit
- Frühling (Blüte) oder früher Herbst (Laubfärbung)
- Budget
- Spaziergang kostenlos · Neue Residenz 7 € · Schifffahrt ab 14 €
- Typischer Geschmack
- Rauchbier aus der Brauerei Spezial
Wo es liegt
Bamberg, Oberfranken
Wetter
Vollständige VorhersageWalk DNA
- Strecke
- ca. 8–9 km insgesamt (Hin- und Rückweg vom Bahnhof, plus Spaziergang durch die Altstadt)
- Dauer
- ca. 3 Stunden zu Fuß
- Höhenmeter
- ca. 20–30 m (ein sanfter Anstieg zum Domplatz/Residenzhügel)
- Untergrund
- Kopfsteinpflaster, flache Altstadt mit einem moderaten Hügel
- Schwierigkeit
- Leicht
Bier DNA
- Bier
- Spezial "Lager", ihr bekanntestes Rauchbier
- Brauerei
- Spezial, Bamberg, erste Erwähnung 1536
- Alkoholgehalt
- 4,9 %
- Farbe
- helles bis mittleres Bernsteinbraun
- Räucheraroma
- mild und zurückhaltend, deutlich sanfter als das kräftigere, intensivere Rauchbier von Schlenkerla
- Bittere
- niedrig bis mittel, voller Körper
- Hakis Hinweis
- Das ist Geschmackssache, und der Rauchgeschmack ist nicht für jeden. Geh unvoreingenommen ran und erwarte kein gewöhnliches Lagerbier.
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