
Bayern zu Fuß · Die Alpen & Zugspitze
Setzberg über den Wallberg
Persönlich besucht von Martin · 19. September 2026
Eigentlich wollte ich auf den Risserkogel. Doch oben an der Wallbergbahn war schon klar: Die Zeit reicht dafür nicht mehr. Also bin ich stattdessen den kürzeren Grat zum Setzberg gegangen — drei Stunden am Gipfel, mehr als 25 Gleitschirme gleichzeitig in der Luft, und unterwegs eine Kapelle mit ihrer eigenen kleinen Kuhherde.
Eigentlich war der Plan: Risserkogel
Das eigentliche Ziel für den Tag war der Risserkogel — der höhere, weiter entfernte Nachbar auf demselben Grat wie der Wallberg, normalerweise eine Rundtour von 5,5 bis 6 Stunden. Als ich mit der Wallbergbahn oben an der Bergstation ankam, war klar: Dieser Plan passt heute nicht mehr in den Tag — zu später Start, zu wenig Zeitpuffer, um dem Risserkogel gerecht zu werden und trotzdem zu einer vernünftigen Uhrzeit wieder unten zu sein. Also habe ich die Route verkürzt — zum Wallberg, weiter zur Wallbergkirchl-Kapelle, vorbei am Alten Wallberghaus und über den Grat hinüber zum Setzberg (1.706 m). Der Risserkogel blieb die ganze Zeit sichtbar — nah genug, um fast erreichbar auszusehen, aber nicht nah genug, um an diesem Tag wirklich hinzugehen. Ein Rückbesuch mit früherem Start steht schon auf der Liste.
Mit der Wallbergbahn nach oben
Die Wallbergbahn fährt von ihrer Talstation bei Rottach-Egern, in der Sommersaison von 8:45 bis 17:00 Uhr, und erledigt den größten Teil des Aufstiegs in unter fünfzehn Minuten — ein Hin- und Rückfahrtticket für Erwachsene kostet 28 €. Wer statt der Seilbahn lieber den ganzen Weg von der Talstation hochwandert: Die offizielle Beschilderung gibt für diesen Aufstieg 3,5 Stunden an. Ich bin ihn bei einem früheren Besuch schon einmal gegangen und habe ihn in 2,5 Stunden geschafft — aber plane nach den ausgeschilderten 3,5 Stunden, nicht nach meinem Tempo, dieselbe Regel wie überall sonst auf dieser Route. Wer nicht mit dem Auto kommt, nimmt Bus 356 ab Tegernsee (Steig 1) bis zur Talstation — aber wirklich Zeitpuffer einplanen. Sowohl der Bus hinauf als auch der Bus zurück waren fast voll — rund 95 % — und sobald das der Fall ist, hält der Fahrer für niemanden mehr, der weiter entlang der Strecke wartet. Er fährt nur alle halbe Stunde — wer also nicht ganz am Anfang der Schlange steht, kommt womöglich schlicht nicht mehr mit. An der Bergstation gibt es direkt am Ausstieg aus der Gondel eine richtige Restaurantterrasse — das Panoramarestaurant Wallberg — mit eigener Speise- und Getränkekarte (ein Bier kostet hier oben 5,50 € — Berggipfel-Preise), dazu den üblichen Ticketschalter und einen QR-Code für den Audioguide in der Kabine, falls man auf dem Weg nach oben die Geschichte des Bergs hören möchte. Kostenlose Toiletten gibt es an beiden Stationen. Wer nur eine Richtung braucht — hochwandern und mit der Bahn runter, oder umgekehrt —, zahlt 15 € für ein Einwegticket. Mit dem Auto ist das Parken an der Talstation für Wallbergbahn-Fahrgäste kostenlos (der QR-Code auf dem Ticket wird beim Ausfahren am Automaten gescannt); sonst gilt eine Tagespauschale von etwa 5 €. Nicht zu spät losfahren: Gegen 11:00 Uhr war der Parkplatz schon zu etwa 90 % voll.
Eine Kapelle mit eigener Kuhherde
Ein kurzer Spaziergang von der Bergstation bringt dich zur Wallbergkirchl — einer kleinen Kapelle direkt auf dem Grat, mit Tegernsee schon tief unten sichtbar. Als ich ankam, war die übliche Gesellschaft da: eine kleine Kuhherde, die direkt bis an die Kapellenmauern weidete, völlig unbeeindruckt von Wanderern und Fotografen, die vorsichtig um sie herumstiegen. Das ist eines dieser Motive, das man gar nicht extra arrangieren muss — die Kühe, die Kapelle, der Grat und der See fügen sich von selbst zusammen.
Altes Wallberghaus und weiter zum Setzberg
Die Wege rund um die Bergstation und weiter zur Kapelle und zur Hütte sind gut ausgebaut — fein geschotterter Untergrund, auf dem ich Leute problemlos mit Kinderwagen unterwegs sah. Von der Kapelle sind es etwa 20 Minuten weiter am Grat entlang zum Alten Wallberghaus, einer Hütte mit eigener Kreidetafel-Speisekarte und ausgehängten Öffnungszeiten, die man sich vorher am besten fotografiert: montags und dienstags geschlossen, geöffnet 10:00–16:00 Uhr, Küche bis 15:30 Uhr. Ich habe dort nicht angehalten — von dort ist der Setzberg laut Beschilderung offiziell 30 Minuten entfernt — ich habe es in 20 geschafft, in gleichmäßigem Tempo. Der letzte Anstieg zum Setzberg selbst ist dann eine ganz andere Geschichte als der geschotterte Weg dahinter: ein echter steiler Anstieg, teils rutschig und matschig — an einem nasseren Tag wäre daraus wohl eher eine ordentliche Rutschpartie auf dem Hosenboden geworden als ein Spaziergang. Wanderstöcke helfen hier auf diesem letzten Stück wirklich, und die sind es wert, mitgenommen zu werden, egal wie trocken die Vorhersage aussieht.
Haki-Tipp: Wenn Risserkogel wirklich das Ziel ist, sei spätestens um 10:00 Uhr oben an der Wallbergbahn — die komplette Runde von dort dauert 5,5 bis 6 Stunden, und du brauchst danach noch genug Tageslicht und Zeit für die letzte Bahn nach unten. Bist du später dran, ist der Setzberg die ehrliche kürzere Version desselben Grats — kein Trostpreis.
Drei Stunden am Gipfel, und mehr als 25 Gleitschirme in der Luft
Das Gipfelkreuz des Setzberg steht auf einer offenen, grasbewachsenen Kuppe mit direktem Blick zum Risserkogel auf der einen Seite — auf dieser Seite des Grats gibt es übrigens gar kein Handynetz — und zurück nach Tegernsee, mit wieder funktionierendem Empfang, auf der anderen. Ich bin am Ende fast drei Stunden geblieben: teils wegen der Aussicht, teils, weil ich einfach den Gleitschirmen zugesehen habe. An einem Punkt habe ich mehr als 25 davon gleichzeitig in der Luft gezählt, gestartet von der Wiese knapp unterhalb des Grats und getragen von der Thermik hinaus über den See. Der Wind machte an diesem Tag offensichtlich genau das, was sie wollten. Eine Sache habe ich nicht gemacht: mich eingecremt. Nach drei Stunden auf einem offenen, exponierten Gipfel habe ich das abends vor dem Spiegel dann ziemlich deutlich gemerkt.
Haki-Tipp: Sonnencreme — auch an einem Tag, der sich gar nicht so heiß anfühlt. Ein offener, grasbewachsener Gipfel auf 1.706 m holt dich nach drei Stunden trotzdem ein, egal welche Lufttemperatur gerade herrscht. Und nimm Wanderstöcke mit: Teile des Grats zwischen dem Alten Wallberghaus und dem Setzberg sind ziemlich matschig, und an einem nasseren Tag wird daraus schnell eine Rutschpartie auf dem Hosenboden statt eines Spaziergangs.
Zurück nach unten, und ein Bier in Tegernsee
Der Abstieg folgt demselben Grat zurück, vorbei an der Wallbergkirchl, zur Bergstation und dann mit der Seilbahn nach unten — und dieselbe Busüberfüllung gilt auch hier. Der Bus zurück ab der Talstation war genauso voll wie der Bus hinauf und hielt an den Zwischenstationen ebenfalls nicht mehr. Verlass dich nicht darauf, erst noch nach Tegernsee hineinzuschlendern und den Bus dann irgendwo unterwegs zu nehmen — plane lieber echten Zeitpuffer ein, denn ein Zustieg unterwegs ist nicht garantiert. Nach dem Ausstieg beim Gymnasium in Tegernsee lohnt sich ein kurzer Abstecher zur Klosterkirche direkt am See, unmittelbar neben dem alten herzoglichen Bräustüberl (Herzogliches Bräustüberl Tegernsee) — wirklich schön, und ein ruhiger Ort nach einem Tag auf dem exponierten Grat.
In der Kirche steht ein Kartenzahlungsautomat für Spenden, 5 € pro Berührung — eine kleine, unkomplizierte Möglichkeit, die Kirche zu unterstützen, auch ohne Bargeld dabei zu haben.
Die Terrasse des Bräustüberls selbst war voll — kein Tisch frei —, also ging es stattdessen weiter die Hauptstraße am See entlang. Dort lag dann der eigentliche Fund: ein Biergarten direkt am Wasser mit gutem Blick und spürbar günstigeren Preisen als auf der Bräustüberl-Terrasse, etwa 10 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Selbstbedienung, Kartenzahlung möglich: 4 € für 0,5 l, 7,80 € für die 1-Liter-Maß — deutlich weniger als die 5,50 € oben am Panoramarestaurant Wallberg, und gut zu wissen, falls die Haupt-Terrasse mal voll ist.
Zurück nach München
An einem Samstag oder Sonntag nicht zu knapp planen — Tegernsee ist ein beliebtes Ausflugsziel für Tagesgäste, und die Züge füllen sich. Wenn du die Wahl hast, nimm lieber die frühere Verbindung als die ursprünglich geplante. Der direkte BOB-Regionalzug (Linie RB57) fährt von München nach Tegernsee in gut einer Stunde, ohne Umstieg — stündlich an Wochentagen, an Wochenenden in den Vormittags- und Nachmittagsspitzen halbstündlich.
Falls du lieber auf die Wanderung verzichtest
Du musst davon nichts zu Fuß gehen. Fahr mit der Wallbergbahn einfach hoch und wieder runter, und du hast trotzdem die Kapelle, die Kühe und die Gipfelaussicht für den Ticketpreis. Oder wandere hoch und zahl die 15 € für das Einwegticket runter, statt der vollen Hin- und Rückfahrt. Und falls Wandern an diesem Tag überhaupt nicht der Punkt ist: Tegernsee selbst ist die Fahrt schon wert — ein Spaziergang rund um den See, eine Pause irgendwo an der Promenade, oder eine Schifffahrt über den See statt eines Gipfels.
Fotos von diesem Tag
Alle von mir beim Besuch aufgenommen. Einfach durchwischen.
Der Fahrplan direkt an der Bushaltestelle der Wallberg-Talstation — vorher einen Blick drauf werfen, die Verbindungen zurück fahren nicht alle paar Minuten.
1 / 25Nützliche Links
- Deutschland-Ticket — Für den Regionalzug nach Tegernsee und den Anschlussbus zur Talstation.
- Bayern-Ticket — Für Tagesausflügler ohne Deutschland-Ticket-Abo.
- Wallbergbahn (offiziell) — Preise, Fahrpläne und Infos zum Parken am Wallberg.
- Tourist-Information Tegernsee (offiziell) — Allgemeine Infos zur Tegernseer Seite dieser Route.
- Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee (offiziell) — Zuhause des Tegernseer Hell aus der Beer-DNA-Box dieses Artikels.
Lohnt sich der Hype? Ja
Lohnt es sich? Ja — besonders, wenn der Risserkogel auch bei dir zeitlich nicht drin ist. Der Setzberg ist die ehrliche kürzere Version desselben Grats: echte Alpenblicke in beide Richtungen, eine Kapelle mit eigenen Kühen als Dauerbewohnern, am Ende des Tages ein wirklich gutes Bier, und die Seilbahn übernimmt auf Wunsch den größten Teil des Aufstiegs. Worauf du wirklich achten solltest, sind die Anschlüsse — der Bus füllt sich in beide Richtungen schnell und wartet dann auf niemanden mehr, also plane echten Zeitpuffer ein, statt es knapp zu kalkulieren.
Haki-Alternative: Wenn du lieber ganz auf die Wanderung verzichtest: Fahr mit der Wallbergbahn hoch und wieder runter, und du hast trotzdem Kapelle, Kühe und Gipfelblick für den Ticketpreis. Oder wandere hoch und zahl die 15 € für das Einwegticket runter statt der vollen Hin- und Rückfahrt. Und falls Wandern an diesem Tag gar nicht der Punkt ist: Tegernsee selbst ist die Fahrt schon wert — ein Spaziergang rund um den See, eine Pause an der Promenade, oder eine Schifffahrt statt eines Gipfels.
Nimm es mit
Lade das Tages-Itinerar für unterwegs herunter — oder spendier mir ein Zugticket, wenn dir dieser Guide Zeit gespart hat.
Kurz & knapp
- Region
- Die Alpen & Zugspitze
- Anreise
- Etwa 1:05 Std. mit dem direkten BOB-Regionalzug (Linie RB57) nach Tegernsee, dann mit Bus 356 (Steig 1) zur Talstation der Wallbergbahn
- Entfernung
- 52 km ab München
- Kosten
- €€
- Beste Monate
- Später Frühling bis Herbst (etwa Mai–Oktober) — der Grat braucht schneefreie, einigermaßen trockene Bedingungen; aktuelle Betriebszeiten direkt bei der Wallbergbahn prüfen
- Andrang
- Auf dem Grat selbst überschaubar — eng wird es eher beim Bus und bei der Seilbahn, nicht auf dem Wanderweg selbst.
Wo es liegt
Rottach-Egern, Mangfallgebirge
Bus 356 zur Talstation und zurück fährt nur alle 30 Minuten und füllt sich schnell (bei meinem Besuch rund 95 % in beide Richtungen) — echten Zeitpuffer einplanen, nicht darauf verlassen, unterwegs noch zuzusteigen.
Wetter
Vollständige VorhersageHaki Score
8.3Hike DNA
- Entfernung
- ~5,5 km Rundweg (Bergstation ↔ Setzberg über die Kapelle und das Alte Wallberghaus, beide Richtungen) — meine eigene Schätzung, für diesen genauen Abschnitt gibt es keine offizielle Angabe
- Höhenmeter
- ~230 Hm kumulativ (Grat-Auf-und-Ab zwischen der Bergstation auf 1.624 m und dem Setzberg auf 1.706 m) — Schätzung
- Dauer
- 50 Min. hoch ab der Bergstation (offizielle Beschilderung); ähnlich lang zurück
- Schwierigkeit
- Leicht bis mittelschwer (T1/T2) — gut markierter Gratweg, keine technischen Stellen, aber teils ziemlich matschig
- Andrang
- Auf dem Grat selbst gering bis mäßig; voll wird es eher bei Seilbahn und Busanbindung als auf dem Weg
- Familienfreundlich
- Ja, mit der Seilbahn allein schon für Kapelle und Gipfelblick geeignet; die komplette Gratwanderung eignet sich für Kinder, die etwa eine Stunde Gehzeit gewohnt sind
- Hundefreundlich
- Ja — auf dem Weg und in der Seilbahn willkommen (aktuelle Hundetarife direkt bei der Wallbergbahn erfragen)
Bier DNA
- Stil
- Helles
- Brauerei
- Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee (HTB) — Tegernseer Hell
- Alkohol
- 4,8 %
- Preis
- 4 € für 0,5 l, 7,80 € für die 1-Liter-Maß
- Probiert bei
- Ein Biergarten am See in der Nähe des Tegernseer Bahnhofs, etwa 10 Gehminuten entfernt — die Terrasse der Brauerei direkt bei der Klosterkirche war voll
- Mit diesem Ort verbunden
- Ja — HTB ist Tegernsees eigene historische herzogliche Brauerei, ausgeschenkt hier, auch wenn dieser Biergarten nicht die Haupt-Terrasse ist
- Passt zu
- Etwas Salziges, oder einfach eine verdiente Wanderung im Rücken
Fazit
Spürbar mehr Kohlensäure als ein klassisches HB Helles — richtig spritzig —, und genau das macht es nach einem langen Tag auf dem Grat so erfrischend.
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Rotwand ab Spitzingsee: zu Fuß hoch, mit der Bahn runter — und dazwischen ein Käsespätzle
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