
Bayern zu Fuß · Die Alpen & Zugspitze
Mittenwald: Warum ein kurzer Zwischenstopp einfach nicht reicht
Persönlich besucht von Martin · 4. September 2026
Ich wollte nach der Karwendelbahn nur schnell ein Mittenwalder Bier am Bahnhofskiosk holen — der hatte längst zu, und nach einem zwanzigminütigen Umweg zum Edeka blieb am Ende nur ein Radler übrig. Genau dieser kleine Fehlgriff hat mir gezeigt: Mittenwald verdient mehr Zeit, als ein kurzer Abstecher vom Bahnhof hergibt.
Der Kiosk, die Gleise und kein Mittenwalder Bier
Gegen 16 Uhr bin ich von der Karwendelbahn runtergekommen und wollte mir eigentlich noch schnell was Kaltes am Bahnhofskiosk holen, bevor ich ins Dorf laufe — der schließt um 17 Uhr, und bis mir das wieder eingefallen ist, steckte ich schon mitten im Zentrum, mit einem Zug, den ich erreichen musste. Der Edeka liegt direkt auf der anderen Gleisseite, zum Greifen nah — nur darf man die Gleise nicht einfach queren, also wurde aus „direkt gegenüber" ein zügiger zwanzigminütiger Umweg. Drinnen dann: kein Mittenwalder Bier, nur die üblichen Münchner Biere, also musste ein Radler reichen. Die Lehre daraus — wenn der Bahnhofskiosk zufällig offen hat, findet man dort meistens das lokale Bier; beim Edeka sucht man vergeblich.
Haki-Tipp: Wer ein echtes Mittenwalder Bier will, sollte nicht auf den Edeka setzen — da gibt's nur Standard-Biere aus München, und man kommt nur über einen umständlichen Umweg hin, weil man die Gleise nicht direkt queren kann. Der Bahnhofskiosk ist, solange er offen hat (vor 17 Uhr), meistens die einzige echte Chance auf etwas Lokales.
Ein kleiner Park und eine Kirche, die größer wirkt als gedacht
Mittenwald ist so klein, dass man meinen könnte, für die Besichtigung reichen zwanzig Minuten. Stimmt nicht. Vom Bahnhof Richtung Zentrum bin ich fast sofort in einem kleinen Park mit Brunnen und Blumenbeeten überall gelandet — Leute kühlten sich direkt im Wasser ab, Kinder inklusive, und ich bin, ohne es zu wollen, automatisch langsamer geworden.
Der Kirchturm ist eigentlich der Grund, warum man herkommt, auch wenn man das vorher nicht wusste. St. Peter und Paul wurde 1749 fertiggestellt, und der bemalte Turm — mit den Heiligen Petrus und Paulus zwischen den Fresken — ist Mittenwalds eigentliches Wahrzeichen, keine Postkarten-Übertreibung. Innen stammen die Fresken vom selben Augsburger Maler (Matthäus Günther), der auch die Hälfte der spätbarocken Kirchen Bayerns ausgemalt hat, und der Altar ist so golden, dass „zurückhaltend" hier nie das Ziel war. Direkt neben der Kirche liegt im Pfarrgarten eine kleine Lourdesgrotte, in der selbst an einem ganz normalen Dienstagnachmittag Kerzen brennen — genau die Art von ruhiger Ecke, an der man in einer größeren Stadt einfach vorbeilaufen würde.
Der Bach, die Fassaden und ein Eisenwarenladen unter gemalten Engeln
Eine Straße weiter fließt ein Stück des alten Mühlbachs wieder offen durchs Dorf — mitten in der Sanierung, das Wasser direkt unter dem Pflaster sichtbar, irgendwo zwischen Lokalstolz und der fotogensten Baustelle Bayerns. Dahinter wirkte die Fußgängerzone — Terrassen, mit Lüftlmalerei bemalte Fassaden, echte historische Gebäude statt Nachbauten — weniger inszeniert als in den meisten Postkarten-Dörfern. An einem Haus schweben sogar Engel durch gemalte Wolken über der Eingangstür, und direkt darunter, auf Straßenniveau: Karl Seitz Haushaltswaren, ein Eisenwarenladen mit solidem Geschäft in Bohrern und Gartenrechen, der sich ganz selbstverständlich die Wand mit dem Barock teilt. Genau das ist Mittenwald in einem Bild — hier poliert niemand etwas für Touristen heraus, die Leute kaufen hier einfach ihre Schrauben. Für ein echtes Mittenwalder Bier hat's hier leider nicht gereicht, was ich bereue; der Radler vom Edeka später zählt da nicht.
Woher Mittenwald eigentlich kommt
Geht man durch den Pfarrgarten weiter, landet man auf dem Platz, der erklärt, warum Mittenwald überhaupt auf der Landkarte steht: das Geigenbaumuseum. Der Geigenbau hier reicht zurück bis 1684, als Matthias Klotz aus seiner Lehre in Padua heimkam und feststellte, dass Mittenwald alles bot, was er brauchte — keine Zunftbeschränkungen, Handelswege nach Venedig und Alpenfichte, aus der bessere Geigen entstehen als aus allem, was sonst in der Nähe wächst. Schon 1764 beklagte sich Leopold Mozart, dass Paris und London „voller Mittenwalder Geigen" seien. Die 1858 gegründete Geigenbauschule gibt es bis heute — sie nimmt pro Jahr zwölf Schüler auf, aus Dutzenden Bewerbungen aus aller Welt.
Ich kam um 16:15 Uhr rein — Schluss ist um 17 Uhr, also galt schon der ermäßigte Preis (4,50 € statt 5,50 €). Fünfundzwanzig Minuten haben mir gereicht; wer wirklich jede Infotafel liest, sollte mehr Zeit einplanen. Drinnen baut tatsächlich eine Geigenbauerin in einer kleinen Werkstatt Geigen — keine Vorführung für Touristen, ein echter Arbeitsplatz —, dazu ein zweites Stockwerk, das ich fast übersehen hätte. Draußen, wieder gegen 17 Uhr, fiel die tiefstehende Sonne genau in dem Winkel über die bemalten Fassaden am Platz, der alles besser aussehen ließ, als es auf meinen Fotos je rüberkam.
Zurück zum Bahnhof
Auf dem Rückweg bin ich an einer Eisschlange im Zentrum hängengeblieben — hat sich gelohnt, Mango und Zitrone, etwa 1,90 € die Kugel. Nahe dem Bahnhof gibt's eine Fahrradverleihstation mit kostenlosen öffentlichen Toiletten davor, gut zu wissen, wenn um 17 Uhr noch ein Zug ansteht. Der Bahnhof selbst hatte da schon zugesperrt, Kiosk inklusive — genau das war ja der Grund für den Edeka-Umweg vom Anfang. Die Rückfahrt lief problemlos, nur zwanzig Minuten Verspätung, und der Zug war schon halb voll aus Österreich, bevor er überhaupt in Mittenwald ankam.
Fotos von diesem Tag
Alle von mir beim Besuch aufgenommen. Einfach durchwischen.
Die ersten Schritte ins Dorf — der Ankunftsplatz
1 / 16Nützliche Links
- Deutsche Bahn — Zeiten prüfen und den Zug München → Mittenwald buchen
- Geigenbaumuseum — Öffnungszeiten & Tickets
- Alpenwelt Karwendel — Veranstaltungen und allgemeine Infos zu Mittenwald
- Sports Max Rieger (Mittenwald) — Fahrrad-, E-Bike- & Ski-Verleih in Bahnhofsnähe
- St. Peter und Paul — Geschichte und Öffnungszeiten des bemalten Kirchturms
Lohnt sich der Hype? Ja
Ja — aber plane mehr Zeit ein, als du denkst. Ich hatte Mittenwald als zweite Hälfte eines Karwendelbahn-Tages eingeplant, und selbst dann wirkte es am Ende noch gehetzt. Wenn's geht, nimm dir einen ganzen Tag: Allein das Ortszentrum ist zwei entspannte Stunden wert, und drumherum gibt's genug (die Karwendelbahn, mehrere Seen, weitere Wanderwege), um einen ganzen Tag zu füllen, ohne dich zu wiederholen.
Haki-Alternative: Wenn du nur auf der Durchreise bist, lass die Eisschlange aus und verbring die zwanzig Minuten lieber im Geigenbaumuseum — die Werkstatt ist das eine, was es sonst nirgendwo in Bayern gibt.
Nimm es mit
Dasselbe Tages-Itinerar-PDF wie beim Karwendelbahn- & Mittenwald-Guide — es deckt diese Route mit ab.
Kurz & knapp
- Region
- Die Alpen & Zugspitze
- Anreise
- Rund 2 h mit dem Zug von München Hbf nach Mittenwald
- Entfernung
- 100 km ab München
- Kosten
- €
- Beste Monate
- Mai – Oktober
- Andrang
- mittlerer Andrang
Wo es liegt
Mittenwald, Bavaria
Durchgehend flache, gepflasterte Straßen — kein Wandern nötig, kinderwagen- und rollstuhlfreundlich. Beste Zeit: später Nachmittag, wenn die tiefstehende Sonne die bemalten Fassaden zum Leuchten bringt. Zeitbedarf: ein halber Tag reicht für das Zentrum, ein ganzer Tag, wenn noch ein Wanderweg oder See dazukommt. Kosten: der Ortsrundgang ist kostenlos; Geigenbaumuseum 5,50 € voll / 4,50 € ermäßigt.
Wetter
Vollständige VorhersageHaki Score
8.8Mehr aus Die Alpen & Zugspitze

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